Wibke Jellinghaus, Vorsitzende Stiftung
2026年6月8日
Update: 2026年6月8日

Verantwortung übernehmen heißt Zukunft sichern

Employee Owned Companies stärken Mitbestimmung und sichern Nachfolge. Im Interview spricht Wibke Jellinghaus, Vorsitzende der Arineo Stiftung, über die Chancen dieses Modells und darüber, warum Verantwortungseigentum für viele Unternehmen eine zukunftsfähige Lösung ist.

Warum engagiert sich die Stiftung für Employee Owned Companies?

Wibke: Employee Owned Companies können Antworten auf zentrale Herausforderungen unserer Zeit bieten: Sie fördern Beteiligung, sichern Unternehmensnachfolgen und stärken langfristige Verantwortung – ohne kurzfristige Interessen von außen. Gerade in einer Zeit, in der viele Betriebe vor der Frage stehen, wie sie ihre Zukunft gestalten, ist das Modell ein Weg, Stabilität und Unabhängigkeit zu bewahren. Es ermöglicht, dass Entscheidungen dort getroffen werden, wo sie wirken: bei den Mitarbeitenden.

 

Was unterscheidet das Arineo EOC-Modell von anderen Unternehmensmodellen?

Wibke:
Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass es nicht darum geht, kurzfristige Rendite zu erzielen oder externe Anteilseigner zufriedenzustellen. Stattdessen wird das Unternehmen in Verantwortungseigentum geführt.

Gewinne dienen in erster Linie dem Unternehmen selbst, seinen Mitarbeitenden und der langfristigen Entwicklung. Dieses Modell schafft eine klare rechtliche Struktur für Mitbestimmung – mehr als nur gelebte Unternehmenskultur.

Für wen ist dieses Modell besonders interessant?

Wibke:
Vor allem für Unternehmen, die über eine Nachfolgeregelung nachdenken und ihre Werte und Kultur erhalten möchten. Häufig stehen Unternehmer:innen am Ende ihres Berufslebens vor der Entscheidung: Verkauf an Investor:innen oder Schließung. Mit EOC gibt es eine dritte Möglichkeit – das Unternehmen an die Mitarbeitenden zu übergeben. Aber auch wachsende Unternehmen, die ihre Unabhängigkeit sichern wollen, profitieren davon. Das Modell ist flexibel und eignet sich sowohl für mittelständische Betriebe als auch für größere Organisationen.

 

Wie unterstützt die Stiftung konkret?

Wibke:
Wir beraten bei der Konzeption einer EOC-Strategie, beantworten Fragen zur Überführung in Verantwortungseigentum und vernetzen mit Expert:innen, Netzwerken und bestehenden EOC-Unternehmen. Darüber hinaus leisten wir Öffentlichkeitsarbeit, organisieren Vorträge und nehmen an Fachveranstaltungen teil. So schaffen wir Aufmerksamkeit für das Thema und zeigen, dass es ein tragfähiges, praxiserprobtes Modell ist. Ein Beispiel ist die Arineo-Gruppe, die bereits erfolgreich nach diesem Prinzip arbeitet.

 

Welche Rolle spielt die Stiftung in der Arineo Gruppe?

Wibke:
Die Stiftung hält 100 Prozent der Anteile an der Arineo Holding GmbH und damit auch an der Arineo GmbH. Das bedeutet, dass die Mitarbeitenden dauerhaft die Unternehmensentwicklung mitbestimmen können – unabhängig von externen Investoren. Damit zeigen wir ganz praktisch, dass EOC nicht nur eine Idee ist, sondern ein funktionierendes Modell im Alltag.

 

Du warst bei einem parlamentarischen Abend in Berlin. Warum war das relevant?

Wibke:
Weil dort deutlich wurde, dass Verantwortungseigentum auch politisch an Bedeutung gewinnt. Beim Austausch mit Vertreter:innen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft ging es um den Gesetzentwurf zur Gesellschaft mit gebundenem Vermögen. Für uns war das eine gute Gelegenheit, die Perspektive von Arineo einzubringen und zu zeigen, wie wichtig langfristige Stabilität für Unternehmen ist.

 

Wo siehst du die Zukunft von EOC in Deutschland?

Wibke:
Wir sind überzeugt, dass EOC in den kommenden Jahren eine zunehmend wichtige Rolle spielen wird. Der demografische Wandel, die vielen anstehenden Unternehmensnachfolgen und das Bedürfnis nach nachhaltigen Strukturen machen dieses Modell sehr attraktiv. Unsere Aufgabe als Stiftung ist es, diesen Weg zu begleiten, Wissen zugänglich zu machen und Unternehmen zu ermutigen, Verantwortung in Mitarbeitendenhand zu legen.

Verantwortung, die bleibt

Die Arineo Stiftung stärkt Unternehmen in Mitarbeitendenhand und begleitet Verantwortungseigentum langfristig.

Katrin Zimmermann

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